Thema: Die Blue Note Records Story, Teil 2
„The Finest In Jazz Since 1939“ - so lautet die Eigenwerbung des Jazz-Labels Blue Note Records. Mit kleineren Unterbrechungen - möchte man hinzufügen, denn in den 1970iger Jahren dümpelt das Label nur noch vor sich hin und zwischen 1979 und 1985 ist es dann schließlich mausetot - die Helden der klassischen Periode, die wir im ersten Teil der Blue Note Story vorgestellt haben, hatten der Firma längst den Rücken gekehrt oder waren ganz einfach gestorben.
1985, mit dem Aufkommen der Audio-CD „wagt“ der umtriebige Produzent Bruce Lundvall die Neugründung von Blue Note Records unter dem Dach des Major-Labels Capitol Records, das sich die Rechte an den alten Aufnahmen rechtzeitig billigst gesichert hatte. Die Zweit- und Dritt-Verwertung dieses Materials als Audio-CD, Remastered-CD, RVG-Edition oder Kompilation ist seit her eine stetige Einnahmequelle, die es erlaubt, ganz im „alten Geist“ von Firmengründer Alfred Lion neuen Talenten aus der Jazz-Szene eine Chance zu geben.
Und so manche Newcomer machen in den 1990iger Jahren Furore: etwa: Medeski Martin And Wood mit der Wiederbelebung des Hammondorgel-Trios oder Us3 mit der Verschmelzung von Jazz und HipHop. Viele aufstrebende Interpreten verlassen das Label nach wenigen Jahren: etwa die Gitarristen John Scofield, Stanley Jordan oder der Pianist Michel Petrucciani - andere wie Joe Lovano oder Gonzalo Rubalcaba sind der Firma bis heute treu geblieben.
Bemerkenswert ist das vorbildliche „Gender Mainstreaming“ des Labels, denn seit den 1990iger Jahren bestimmen – früher undenkbar - vor allem Vokalistinnen das Portfolio des Labels: Cassandra Wilson, Dianne Reeves, Anita Baker - und mit Norah Jones erreicht man schließlich die Spitze der Pop-Charts.
Mit den eingespielten Verkaufserlösen ist man nun in der Lage, auch etablierte Pop-Künstler unter Vertrag zu nehmen. Im Katalog findet man heute Van Morrison, Dr. John, Nigel Kennedy, Wynton Marsalis und Suzanne Vega. Nach über 70 Jahren Firmengeschichte scheint Blue Note auf dem Weg zu einem ganz normalen Plattenlabel angekommen zu sein.