'Eine Sendung aus und über die DDR‘
Glasnost und Perestroika - das waren die Schlagworte, mit denen seit 1985 aus Moskau ein frischer Wind durch den Ostblock wehte. Die Hoffnung auf Demokratisierung und Veränderung erreichte auch die DDR.
„Glasnost“ meinte vor allem eine realistische, transparente und offene Darstellung der Wirklichkeit in den Medien. Dies blieb jedoch vor dem Herbst 1989 durch die offziellen DDR-Medien unerfüllt. Seit 1987 kam aber mediale Glasnost über den Umweg Westberlin. Im alternativen 'Radio 100‘ erhielt die DDR-Opposition monatlich eine Stunde zur eigenen Gestaltung unter dem Titel „Radio Glasnost“. Zwischen Juli 1987 und November 1989 entstanden so 29 Sendungen aus dem Kreis der Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsbewegung, zu Entwicklungen innerhalb der Kirchen und zu subkulturellen Strömungen. Ein Stück hörbare Gegenöffentlichkeit - empfangbar in Berlin und weiten Teilen Brandenburgs - allerdings nicht immer: Der DDR-Staatsmacht war ein neuer Feind entstanden, dem mit allen Mitteln zu begegnen war. Ihre Versuche, Radio Glasnost mittels Spitzeln und Störsendern zum Schweigen zu bringen, scheiterten allerdings. Im Gegenteil - mit einem abwertenden Kommentar im Parteiblatt Neues Deutschland (ND) steigerte sie den Bekanntheitsgrad der Sendung noch. Erst jetzt hörten viele die Berichte in den West-Medien über die Störungen. „Radio Glasnost“ wurde mit Kassettenrecordern mitgeschnitten und in der ganzen DDR heimlich verbreitet.
Radio Unerhört Marburg präsentiert ab Juni die kompletten Sendungen von „Radio Glasnost“, immer Samstags zwischen 12 und 13 Uhr. Im Juni hört Ihr die Sendungen Juli bis Oktober 1987.
Themen sind unter anderem: - der Berliner 'Kirchentag von Unten‘ - der 'Olof-Palme-Friedensmarsch‘ - der Dialog zwischen SED und SPD: 'Der Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit‘
Für freundliche Unterstützung danken wir dem 'Robert-Havemann-Archiv‘ Berlin und 'Radio Corax‘ Halle.
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